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Edelsteine

Eifel · Nordrhein-Westfalen · Heiligtum

Matronenheiligtum Görresburg

Nettersheim

Überlieferung

Auf der Görresburg bei Nettersheim stand ab etwa 70 n. Chr. ein Tempel für die Aufanischen Matronen. Er gehörte zum römischen Straßendorf Marcomagus an der Agrippastraße und wurde über 300 Jahre genutzt. Rund 40 Weihesteine wurden hier gefunden; einige stifteten Beneficiarii, die an der Straße stationierte Polizei. Die Matronen erscheinen als drei nebeneinander sitzende Frauen in langen Gewändern, mit Kopfputz und Fruchtkörben.

drei mütter · weihestein · schutz der reisenden · keltisch römisch

Unsere Lesart

Zweitausend Jahre lang haben hier Menschen einen Stein aufstellen lassen, weil jemand heil zurückgekommen war. Nicht um etwas zu erbitten, sondern um sich zu bedanken. Von den Namen auf diesen Steinen wissen wir mehr als von den Leuten, die sie in Auftrag gaben.

Dichtung, von uns

Auf einer Kuppe über dem Urfttal bei Nettersheim liegen die Grundmauern eines gallo-römischen Tempelbezirks. Er gehörte zum Vicus Marcomagus, einer Straßensiedlung an der Agrippastraße von Trier nach Köln, und war über drei Jahrhunderte in Betrieb.

Verehrt wurden hier die Matronae Aufaniae, die Aufanischen Matronen. Sie erscheinen auf den Weihesteinen fast immer gleich: drei Frauen, nebeneinander sitzend, in langen Gewändern, die beiden äußeren mit dem großen Haubenkopfputz der Ubierinnen, in den Schößen Körbe mit Früchten. Ursprünglich keltische Schutz- und Muttergottheiten, von den Römern übernommen und mit lateinischen Inschriften versehen.

Rund vierzig Weihesteine sind hier gefunden worden. Die Originale stehen im LVR-LandesMuseum in Bonn, vor Ort sind Repliken aufgestellt; die Fundamente wurden 1976/77 teilweise rekonstruiert. Was man heute besucht, ist also zu großen Teilen Nachbau. Das gehört dazugesagt.

Ein Weihestein wurde gestiftet, wenn ein Gelübde eingelöst war. Die übliche Formel lautet votum solvit libens merito: hat sein Gelübde eingelöst, gern und nach Gebühr. Man hatte etwas versprochen für den Fall, dass es gut ausgeht. Es ging gut aus. Also zahlte man.

Ein Teil dieser Steine geht auf Beneficiarii zurück, die an der Straße stationierten Ordnungskräfte. Männer, die beruflich unterwegs waren und die Gefahren der Strecke kannten, ließen hier Dank in Stein hauen.

Wann wir hier laden: bei Vollmond, zwischen den Fundamenten.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • KuLaDig — Römischer Vicus und Matronenheiligtum Görresburg. Landschaftsverband Rheinland, 2013. Objekt-ID O-UM-20130327-0022. Digitalisat.
  • Bestand der Matronen-Weihesteine. LVR-LandesMuseum Bonn, 2026. Originale in Bonn, Repliken vor Ort.

Was noch offen ist

Kein Sagenort, sondern ein archäologischer Befund. Hier gibt es nichts zu erzählen, was nicht ausgegraben wurde. Bei Schmitz kommt der Ort nicht vor. Die Fundamente wurden 1976/77 teilrekonstruiert; was heute oben steht, ist Rekonstruktion, das ist auf der Ortsseite zu sagen.

50.4931, 6.6350 · frei zugänglich · Ladefenster Vollmond