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Edelsteine

Eifel · Rheinland-Pfalz · See

Weinfelder Maar

Totenmaar

Überlieferung

Im Maar soll ein Schloss versunken sein. Ist der Himmel klar und kein Lüftchen bewegt das Wasser, will man dessen Mauern in der Tiefe erkennen. In der Kapelle, die einsam am Ufer steht, soll nie eine Spinne und nie ein Gewebe gefunden worden sein, weil der Ort ein gar heiliger sei. Im Frühjahr liest man am Wasserstand das kommende Jahr.

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Unsere Lesart

Ein Maar ohne Zufluss und ohne Abfluss. Was hineingerät, kommt nicht wieder heraus. Deshalb bringt man an dieses Ufer, was man nicht mehr tragen will, und lässt es dort unten bei den Mauern.

Dichtung, von uns

Das höchstgelegene der drei Dauner Maare, 487 Meter über dem Meer, gut fünfzig Meter tief und ohne oberirdischen Zu- oder Abfluss. Es füllt sich aus dem Grundwasser und aus dem Regen, und es gibt nichts davon zurück.

Am Nordufer steht die Weinfelder Kapelle. Sie war einmal die Pfarrkirche des Dorfes Weinfeld. Das Dorf gibt es nicht mehr; es wurde im 16. Jahrhundert von der Pest heimgesucht und danach aufgegeben. Die Kirche blieb stehen, der Friedhof um sie herum wird bis heute belegt. Daher der zweite Name des Maars: Totenmaar. Das ist keine Sage, das ist Ortsgeschichte.

Die Sage setzt eine Schicht darüber. Schmitz notiert 1858, in behutsam an heutige Schreibung angeglichener Fassung:

Auch sagt man, wenn der Himmel hell sei und kein Lüftchen den Wasserspiegel des See’s in Bewegung setze, könne man die Mauern des Schlosses in der Tiefe wahrnehmen. In der Kirche aber, welche am Rande dieses Gewässers einsam steht, soll noch nie eine Spinne oder ein Gewebe derselben gefunden worden sein, weil der Ort ein gar heiliger sei.

An diesem Detail hängt der ganze Ort. Versunkene Schlösser gibt es in jeder Landschaft. Selten ist die Kapelle daneben, in der nichts Staub ansetzt und nichts sich einnistet.

Wann wir hier laden: in den Nächten des abnehmenden Mondes, wenn das Wasser still liegt. Das ist die einzige Zeit, in der man den Sagen zufolge in die Tiefe sehen kann.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Sagen und Legenden des Eifler Volkes. Johann Hubert Schmitz, 1858. Bd. 2, S. 72 f.. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Der Abschnitt steht unmittelbar vor „Der Schäfer am Pulvermaar“ und nennt das Pulvermaar im selben Atemzug als anderen Ort. Die Kapitelüberschrift ist in der OCR zerstört; die Zuordnung zum Weinfelder Maar ergibt sich aus der einsam am Ufer stehenden Kirche: Es ist das einzige Eifelmaar mit einer solchen. Am MDZ-Scan bestätigen, bevor die Fundstelle öffentlich zitiert wird.

50.1653, 6.8489 · frei zugänglich · Ladefenster abnehmender Mond