Berchtesgadener Alpen · Bayern · Berg
Watzmann
Überlieferung
Im Berchtesgadener Land herrscht einst ein grausamer König namens Watzmann, dessen höchste Freude die wilde Jagd ist; Frau und Kinder jagen mit derselben Lust. Als der Zug eine sterbende Alte samt Enkelin unter den Hufen zertritt und die Hunde auf das entsetzte Bauernpaar hetzt, verflucht die Alte mit letzter Kraft König, Königin und die sieben Kinder, sie mögen zu Fels erstarren. Die Erde bebt, Feuer fährt aus dem Boden, und die ganze Familie erstarrt zu Stein, wo sie bis heute als Watzmann, Watzmannfrau und Watzmannkinder ins Berchtesgadener Land blicken.
grausamer herrscher · wilde jagd · fluch der sterbenden · versteinerte familie
Unsere Lesart
Der Fluch trifft nicht nur den, der ihn verdient hat, sondern auch die, die neben ihm ritten und zusahen. Der Berg zeigt das bis heute: eine Gestalt in der Mitte, kleinere daneben, alle aus demselben Stein.
Dichtung, von uns
2713 Meter an der Mittelspitze, der dritthöchste Hauptgipfel Deutschlands und der zentrale Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen, mit der höchsten Wand der Ostalpen an seiner Ostseite. Wer von Norden auf den Watzmann blickt, sieht neben dem Hauptgipfel den niedrigeren Kleinen Watzmann und, an einem Quergrat nach Osten aufgereiht, mehrere kleinere Erhebungen. Amtlich heißen sie Watzmannfrau und Watzmannkinder.
Schöppner erzählt 1852, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:
Es herrschte einmal vor alter Zeit im Berchtesgadener Lande ein König, Namens Watzmann. Derselbe liebte weder Menschen noch Tiere, und süße Lust war es seinem grausamen Herzen, die Menschen zu quälen und die Tiere zu martern. Darum war auch die wilde Jagd seine höchste Freude, wo ihn Rüdengeheul und Hörnerschall umgab, dass die Wälder davon widertönten. Doch nicht allein er, auch Weib und Kind fanden hohe Lust an der wilden Hetzjagd.
Im Dämmerlicht lenkt der König sein Pferd auf eine Hütte zu, vor der ein Mütterlein mit ihrer Enkelin sitzt, und lässt sie zertrampeln. Als die Bauersleute herauskommen, um die Sterbende zu bergen, hetzt er seine Hunde auf sie, „lachenden Blicks, und mit ihm die Gattin und Kinder”. Die Alte, mit letzter Kraft:
[Sie] flucht fürchterlich im Sterben dem König und der Königin mit ihren sieben Kindern, dass sie die Strafe der Gottheit erreiche und in Felsen verwandle. Und die Erde erbebt, der Sturmwind braust, als ob das Weltende gekommen; Feuer sprüht aus dem Schoße der Erde und wandelt Vater, Gattin und Kinder zu riesigen Felsen um.
Wer heute von Norden auf das Bergmassiv schaut, sieht genau diese Aufteilung: eine hohe, zerklüftete Gestalt in der Mitte und kleinere Gipfel daneben, alle aus demselben Fels.
Wann wir hier laden: im ersten Schnee, mit Blick auf den Grat.
Steine von hier
Belege
Belegt in gedruckter Quelle
- Sagenbuch der Bayerischen Lande. Alexander Schöppner, 1852. Bd. 1, Nr. 64, S. 63, „Der König Wazmann“. Digitalisat.gemeinfrei
Was noch offen ist
Am MDZ-Scan der Bayerischen Staatsbibliothek geprüft. Schöppner nennt als Erzähler F. Englert und verweist auf Maßmann, Bechstein und das Auerbacher Volksbüchlein als ältere Fassungen. Die Namen der Nebengipfel, Watzmannfrau für den Kleinen Watzmann und Watzmannkinder für den östlichen Grat, sind amtlich gebräuchlich und nicht unsere Deutung.
47.5545, 12.9221 · frei zugänglich · Ladefenster erster Schnee