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Edelsteine

Harz · Sachsen-Anhalt · Felsen

Teufelsmauer

Überlieferung

Der böse Geist unterstand sich, die Erdkugel mit Gott zu teilen: die eine Hälfte für Gott, die andere für sich. Er begann in hiesigen Landen und legte diese Mauer an, die sich danach durch die ganze Welt erstrecken sollte. Gott sah dem Spiel eine Zeit lang zu, dann zerstörte er sie und gestattete ihm den Bau nicht weiter. Daher sind nur diese Stücke übrig geblieben.

teilung der welt · unvollendeter bau · Grenze · abgebrochener handel

Unsere Lesart

Was übrig blieb, ist kein Bauwerk, sondern der Anfang eines Bauwerks. Die Mauer beginnt im Nichts und hört im Nichts wieder auf. Ein Vorhaben, das jemand mit voller Überzeugung angefangen und nicht zu Ende gebracht hat, und das trotzdem steht.

Dichtung, von uns

Ein Kamm aus hartem Sandstein, der sich in einzelnen Stücken am Nordrand des Harzes hinzieht: bei Blankenburg, bei Weddersleben, bei Ballenstedt. Die Schichten stehen fast senkrecht, weil sie beim Aufsteigen des Harzes aufgerichtet wurden; das weichere Gestein daneben ist längst abgetragen, dieses nicht.

Pröhle gibt 1859 unter Nr. 63 wörtlich wieder, was er bei von Rohr fand, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

Der böse Geist hätte sich einstens unterstanden, die Erdkugel, oder die ganze Welt, wie sie es nennen, mit Gott zu theilen, so, dass dem grossen Gott die eine Hälfte zu seiner Beherrschung übrig bleiben, die andere Hälfte aber ihm überlassen seyn solle. Er hätte dahero in hiesigen Landen den Anfang machen wollen zu theilen, und diese Mauer, die sich hernach durch die Welt hätte erstrecken sollen, angelegt. Gott hätte seinem Spiel und seiner Bosheit eine Zeitlang zugesehen, endlich aber hätte er selbige, da sie sonst über die Massen hoch gewesen, ruinirt, und ihm seinen Bau nicht weiter verstattet. Daher wären noch diese Stücke Mauren davon übrig geblieben.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Gott greift nicht ein, als der Bau beginnt. Er sieht zu, eine Zeit lang, und lässt die Mauer hoch werden. Erst dann reißt er sie ein, und auch das nicht ganz. Die Stücke bleiben stehen, damit man sie sieht.

Auffällig ist, wem die Erzählung zugeschrieben wird. Von Rohr legt sie dem „gemeinen Bauer-Volk, oder vielmehr den Einfältigen unter ihnen“ in den Mund und nennt sie ein „einfältiges Gedichte“. Pröhle druckt das mit ab, ohne den Spott zu übernehmen. Die gelehrte Alternative steht bei ihm direkt daneben: Nr. 62 lässt die Mauer von vorsintflutlichen Riesen errichtet sein. Von den beiden Deutungen hat sich die der Einfältigen gehalten.

Die Teufelsmauer steht seit 1833 unter Schutz und ist damit eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Betreten werden darf sie nur auf den ausgewiesenen Wegen; der Fels bröckelt und die Vegetation darauf ist selten.

Wann wir hier laden: bei Neumond, am Fuß der Mauer. Was der Teufel begonnen hat, hat er im Dunkeln begonnen.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Harzsagen, Zweiter Band. Sagen des Unter-Harzes. Heinrich Pröhle, 1859. Nr. 63, S. 27, aus den Sagen von Blankenburg und der Umgegend. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Pröhle zitiert wörtlich und nennt seinen Gewährsmann: von Rohr, der die Erzählung seinerseits dem „gemeinen Bauer-Volk“ zuschreibt. Die unmittelbar davor stehende Nr. 62 gibt eine ganz andere Herleitung wieder, nach Conring und Leukfeld sei die Mauer ein Werk vorsintflutlicher Riesen. In den Anmerkungen (Bd. 2, S. 217) hält Pröhle fest, dass ein Felsen in der Teufelsmauer „der Großvater“ heißt.

51.7561, 11.0439 · eingeschränkt zugänglich · Ladefenster Neumond