Harz · Sachsen-Anhalt · Berg
Regenstein
Überlieferung
Auf dem Regenstein ist ein Loch, das mit kleinen Steinen gefüllt ist, wie sie nicht auf dem Berg, sondern nur in der Ebene vorkommen. Die Führer berichteten, böse Geister hätten sie hierhergebracht: Nehme man sie heraus und trage sie fort, kämen doch alsbald wieder andere hinein, oft sogar dieselben, die man mitgenommen habe. Von Abenteuern derer, die sich daran vergriffen, wurde viel erzählt.
wandernde steine · geister als traeger · unerklaerlicher fund · ebene und berg
Unsere Lesart
Was in dem Loch liegt, gehört nicht auf den Berg. Man erklärte das mit Geistern, die es von der Ebene heraufholten, und ärgerte sich, dass es ihnen niemand abgewöhnen konnte. Wir tun im Grunde dasselbe, nur ehrlicher: Wir tragen Steine von weit her an einen Ort, dem sie nicht entstammen, und sagen es dazu.
Dichtung, von uns
293 Meter, ein Sandsteinmassiv im nördlichen Harzvorland bei Blankenburg, an drei Seiten steil abfallend. Oben die Ruine einer mittelalterlichen Felsenburg, teils in den Fels gehauen, deren Grafen dem Berg seinen Namen gaben. Berühmtester unter ihnen war Graf Albrecht II., der sich 1336 mit der Stadt Quedlinburg überwarf und ein Jahr lang gefangen saß, bevor er die Stadtmauer nachbauen lassen musste. Das ist Geschichte, keine Sage, und steht nicht auf dieser Seite, weil hier ein anderer Fund den Ausschlag gibt.
Pröhle notiert 1859 unter Nr. 113 eine kurze, nüchterne Beobachtung über ein Loch im Fels, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:
Auf dem Regensteine ist ein Loch vorhanden, welches mit allerhand kleinen Steinen, die nicht auf dem Berge, sondern nur in der Ebene gefunden werden, angefüllt ist, und die Führer wollen für gewiss berichten: dass solche Steine von den bösen Geistern hierhergebracht würden, denn wenn man dieselben herausnähme und hinwegtrüge, so kämen doch alsbald wieder andere hinein, ja auch oftmals diejenigen, welche man herausgenommen hätte. Es werden auch von ihnen viele Abenteuer erzählt, die sich bei diesem Loche sollen zugetragen haben mit denjenigen, welche sich erkühnt haben, freventlicherweise etwas dabei vorzunehmen.
Der Fels selbst ist Sandstein. Was in dem Loch lag, war anderes Gestein, aus der Ebene, wo es Sandstein nicht gibt. Jemand musste es hinaufgetragen haben, und da niemand zugab, es getan zu haben, blieben die Geister übrig.
Wann wir hier laden: bei zunehmendem Mond, am Fuß der Burgruine.
Steine von hier
Belege
Belegt in gedruckter Quelle
- Harzsagen, Zweiter Band. Sagen des Unter-Harzes. Heinrich Pröhle, 1859. Nr. 113, S. 41, „Steine auf dem Regensteine“. Digitalisat.gemeinfrei
Was noch offen ist
Kurze Sage, mit Nr. 114 (Geister schmieden auf dem Regenstein) und Nr. 115 (Geister stellen den Ziegen nach) im selben Abschnitt überliefert, die wir nicht mit erzählen, um bei dem einen Bild zu bleiben, das zum Katalog passt.
51.8153, 10.9597 · frei zugänglich · Ladefenster zunehmender Mond