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Pagenbette
Festung Königstein
Überlieferung
Am 12. August 1675 steigt der Leibpage Carl Heinrich von Grunau, betrunken und bei Nacht, aus einer Schießscharte der Festung Königstein und legt sich auf ein kaum eine Elle breites Mauergesims an der Felsenecke, wo er einschläft. Am nächsten Morgen wird er dort noch schlafend gefunden, mit Seilen gesichert und im Beisein des Kurfürsten Johann Georg II. durch Trompeten und Paukenschlag geweckt. Grunau starb erst 1744, im Alter von 106 Jahren.
schlaf am abgrund · glueck im unglueck · festungsmauer · langes leben
Unsere Lesart
Er hat nichts dafür getan, außer nicht aufzuwachen. Manches Glück verdankt sich keiner Umsicht, sondern nur dem Umstand, dass man schläft, während gerade die Stelle trägt, an der man liegt.
Dichtung, von uns
Die Festung Königstein, eine der größten Bergfestungen Europas, liegt auf einem Tafelberg über der Elbe, dem Lilienstein auf der anderen Flussseite gegenüber. Hinter der heutigen Friedrichsburg, an der äußeren Festungsmauer, zeigt man bis heute ein schmales Gesims: das Pagenbette.
Grässe berichtet 1874, in behutsam an heutige Schreibung angeglichener Fassung:
Das sogenannte Pagenbette hat davon seinen Namen, dass Carl Heinrich von Grunau, Leibpage des damals gerade auf der Festung weilenden Kurfürsten Johann Georg II., den 12. August des Jahres 1675, als letzterer auf der damals so genannten Christiansburg gespeist, in der Trunkenheit zur Nachtzeit zu einer Schießscharte hinter der Friedrichsburg hinausstieg, sich auf obgedachtem schmalen Absatze niederlegte, einschlief und am folgenden Morgen hier noch in tiefem Schlummer gefunden ward. Sogleich wurden Seile um ihn herumgeworfen, um ihn vor dem Herabstürzen zu retten, und er dann auf Befehl und in Beisein des Kurfürsten aus dem Schlummer durch Trompetengeschmetter und Paukenwirbel aufgeweckt.
Grässe fügt hinzu, dass derselbe Grunau erst am 9. Dezember 1744 in Schmölln bei Bautzen starb, 106 Jahre alt, nachdem ihn ein zweites Mal ein Sturz verschont hatte: Sein scheu gewordenes Pferd sprang mit ihm von der Dresdner Elbbrücke ins Wasser, und er überlebte auch das.
Ein Mann, der zweimal dort fällt, wo andere sterben, und trotzdem alt wird. Das Datum, der Name, der Ort: All das ist überliefert, nicht erfunden.
Wann wir hier laden: bei Neumond, am Fuß der Festungsmauer.
Steine von hier
Belege
Belegt in gedruckter Quelle
- Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Johann Georg Theodor Grässe, 1874. Bd. 1, Nr. 183, S. 166, „Das Pagenbette auf dem Königstein“. Digitalisat.gemeinfrei
Was noch offen ist
Grässe nennt als Quellen die Curiosa Saxonica von 1745/1796 und Hofmanns Meißner Hochland von 1842. Der Vorfall trägt ein genaues Datum und einen belegten Namen und ist damit eher dokumentierte Anekdote als Sage im engeren Sinn. Grässe berichtet auch, Grunau habe später einen weiteren Sturz überlebt: Sein scheu gewordenes Pferd sprang mit ihm von der Dresdner Elbbrücke ins Wasser.
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