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Edelsteine

Berchtesgadener Alpen · Bayern · Ort

Mordaualm

Alpe Mordau

Überlieferung

1382 dient die schöne Kathei als Sennerin auf einer Alm am Grenzgebirge zwischen Berchtesgaden und Reichenhall. Sie verschmäht den treuen Lenzei zugunsten eines Jägers und schickt Lenzei, um ihn loszuwerden, auf eine Felswand des Hohen Göll, ein Edelweiß zu pflücken. Er stürzt tödlich ab. In derselben Nacht überfällt eine Schar Herzog Friedrichs von Bayern, auf dem Weg über die Alm, die Sennhütte und erschlägt Kathei und den Jäger. Seither heißt die Alm Mordau.

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Unsere Lesart

Kathei schickt Lenzei nicht, weil sie ihn hasst, sondern weil sie seine Treue für etwas hält, das sich verbrauchen lässt wie alles andere. Dass ausgerechnet der Name der Alm an sie erinnert und nicht an ihn, lesen wir als die eigentliche Strafe: Sie wollte gesehen werden, und jetzt steht ihr Name für das Gegenteil von Liebe.

Dichtung, von uns

Eine bewirtschaftete Alm auf rund 1200 m im Lattengebirge, am Grenzkamm zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall, heute Station am Ramsauer Almerlebnisweg. Drei Bauernfamilien, zwei aus Ramsau, eine aus Bischofswiesen, beweiden sie noch immer von Ende Juni bis September — unter demselben Namen, den ihr die Sage vor über sechshundert Jahren gegeben haben soll.

Schöppner erzählt 1852, nach Franz Englert, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

Im Jahre 1382 bezog Kathei, das schönste Diendl im Berchtesgadner Land, dieselbe als Sennerin. Manch stattlicher Bua stieg hinan zur Alpe, um Kathei zu besuchen, allein die Aelplerin hatte gar früh schon ihr Herzchen an Lenzei verschenkt, der, ein treuherziger Gebirgssohn, kein anderes Madl anschaute.

Kathei aber gefällt es besser, die Schönste weit und breit zu heißen, und bald gefällt ihr ein Jäger besser als der eifersüchtige, treue Lenzei. Um ihn loszuwerden, schickt sie ihn auf den Hohen Göll, ihr das schönste Edelweiß zu pflücken, das er finde — je gefährlicher die Stelle, desto mehr, sagt sie, beweise es seine Liebe. Lenzei steigt, findet an einem äußersten Felsrand eine besonders große Blüte, und:

Er nahte dem Edelweiß, brach die schöne Blüthe, aber der einstürzende Felsenrand nahm ihn mit sich hinab und zerschmettert an den unzählig hervorstehenden Felsspiken stürzte er todt in den Abgrund.

Als er nicht zur Hütte zurückkehrt, ahnt Kathei, was geschehen ist, und flüchtet sich in die Arme des Jägers. In derselben Nacht bricht eine Schar Soldaten Herzog Friedrichs von Bayern, auf dem Weg über die Alm, in die Sennhütte ein und erschlägt beide. Katheis letzte Worte sind ein reuevolles Gebet, des Jägers letzter Laut ein Fluch. Seither heißt die Alm Mordau.

Wann wir hier laden: bei Neumond, auf der Mordaualm.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Sagenbuch der Bayerischen Lande. Alexander Schöppner, 1852. Bd. 1, Nr. 63, S. 61 f., „Das Edelweiß“, Sage von der Mordau, erzählt von Franz Englert. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Am MDZ-Scan der Bayerischen Staatsbibliothek geprüft. Derselbe Erzähler, Franz Englert, steht auch hinter der unmittelbar folgenden Watzmann-Sage (Nr. 64) — beide Orte liegen bei Schöppner Seite an Seite. Der historische Rahmen ist kein Sagenschmuck: Herzog Friedrich von Bayern-Landshut zog im April 1382 tatsächlich gegen Berchtesgaden, um dem von den Chorherren verstoßenen Propst Ulrich Wulp wieder zur Fürstpropstei zu verhelfen — belegt unabhängig von Schöppner. Die Mordaualm gibt es bis heute, bewirtschaftet, auf rund 1200 m im Lattengebirge, Station am Ramsauer Almerlebnisweg; der Name hat sich seit der Sage nie geändert.

47.6454, 12.8879 · frei zugänglich · Ladefenster Neumond