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Edelsteine

Sächsische Schweiz · Sachsen · Berg

Lilienstein

Überlieferung

Im Berg soll ein Keller mit vermauerter Tür liegen, voll Dukaten, die niemand hebt: Wer den Ort findet und sich ihn genau merkt, findet ihn später doch nicht wieder, und wer nachts den Schatz heben will, wird von unsichtbaren Wächtern den Felsen hinabgeworfen. Eine arme Frau aus Walthersdorf setzt beim Beerensammeln ihr Kind auf einen goldenen Tisch in der offenen Kammer, rafft Gold in ihre Schürze und findet die Tür beim Zurückkehren nicht mehr. Ein Jahr später, zur selben Stunde, findet sie Tür und Kind unversehrt wieder, als sei nur ein Augenblick vergangen.

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Unsere Lesart

Die Tür lässt sich nicht wiederfinden, egal wie genau man sich die Stelle merkt. Nur wer nichts sucht, sondern zurückkommt, weil ein Jahr vorbei ist, findet sie wieder offen. Manches öffnet sich nicht auf Verlangen, sondern auf Zeit.

Dichtung, von uns

415 Meter, der einzige rechtselbische Tafelberg im Elbsandsteingebirge und das Wahrzeichen des Nationalparks Sächsische Schweiz. Von drei Seiten umfließt ihn die Elbe in einer weiten Schleife; gegenüber liegt die Festung Königstein. 1708 ließ August der Starke Stufen in die Südseite schlagen, um selbst hinaufzusteigen; sie sind bis heute der übliche Aufstieg.

Grässe notiert 1874 zwei Fassungen der Sage vom verborgenen Schatz, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen. Die erste:

Man erzählt sich, dass einige Personen, welche aus Neugierde denselben betreten hätten, plötzlich einen Keller mit einer eingemauerten Tür vor sich gesehen, aus Furcht aber nicht hineingegangen wären, sich jedoch den Ort so genau angemerkt, dass sie ihn, wenn sie wieder zurückkehrten, eigentlich ohne Mühe hätten finden müssen. Gleichwohl haben sie später weder ihr gemachtes Merkmal, noch Ort, noch Keller wieder erkennen können.

Die zweite, ausführlichere:

Einst ist eine arme Frau aus Walthersdorf mit ihrem Kinde auf den Lilienstein in die Beeren gegangen, da bemerkt sie plötzlich am Berge eine offene Tür und sieht in dem Gewölbe eine Menge Goldhaufen liegen; sie setzt also das Kind auf einen dabei stehenden goldenen Tisch, rafft emsig so viel von den Haufen, als sie in ihrer Schürze fortbringen kann, auf und eilt damit, ihr Kind zurücklassend, nach dem draußen stehenden Korbe. Als sie aber umkehrt, findet sie die Tür nicht mehr und muss also auch ihr Kind als verloren ansehen. Nach Verlauf eines Jahres geht sie aber an demselben Tage und zu derselben Stunde wieder an den nämlichen Ort, findet auch die Tür wieder und erhält auch ihr Kind unversehrt zurück, welches auf dem Tische mit goldenen Äpfeln und Birnen spielt, gleichsam als wäre seitdem nur ein Augenblick verflossen.

Zwischen den beiden Fassungen liegt ein Unterschied, der alles ausmacht. Wer sucht, findet die Tür nie wieder. Wer ein Jahr wartet und zur selben Stunde zurückkommt, findet sie offen, und die Zeit darin ist stehengeblieben.

Wann wir hier laden: bei Vollmond, am Fuß des Tafelbergs, mit Blick auf die Elbschleife.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Johann Georg Theodor Grässe, 1874. Bd. 2, Nr. 193, S. 173 f., „Die Sagen vom Lilienstein“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Grässe nennt zwei ältere Quellen, Melissantes' Curieuse Orographie und einen Hofmann, ohne sie im Volltext zu zitieren, sondern referiert beide Sagen selbst. Der Ort Walthersdorf ist der heutige Ortsteil Waltersdorf von Bad Schandau, in dessen Flur der Lilienstein liegt.

50.9311, 14.0847 · frei zugänglich · Ladefenster Vollmond