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Edelsteine

Sächsische Schweiz · Sachsen · Höhle

Kuhstall

Überlieferung

Am Neuen Wildenstein bei Lichtenhayn liegt ein hohes, von der Natur gebildetes Felsentor. Weil die Bauern der Umgegend in Kriegszeiten ihr Vieh dorthin geflüchtet haben sollen, heißt die Höhle seither der Kuhstall. In der Nähe liegen weitere Stellen mit eigenen kleinen Geschichten: der „helle Fluss", ein Gesundbrunnen, der Taufstein, an dem Flüchtlingskinder getauft worden sein sollen, und die Pfaffenklunst, in der ein Pfarrer vor seinen aufständischen Pfarrkindern Zuflucht gesucht haben soll, ehe sie ihn fanden.

felsentor · zuflucht in kriegszeiten · benannt nach nutzung · verstreute nebensagen

Unsere Lesart

Ein Name, der von einer Notlage erzählt, nicht von einem Ort: Das Tor war vorher schon da, und es wird nachher noch da sein, aber nur für die Zeit, in der Menschen und Tiere hier Schutz brauchten, heißt es Kuhstall. Wir lesen darin, dass ein Zufluchtsort seinen Namen von denen bekommt, die ihn gebraucht haben, nicht von dem, der ihn gemacht hat.

Dichtung, von uns

Am Neuen Wildenstein oberhalb des Kirnitzschtals, eine Stunde von Bad Schandau entfernt, öffnet sich in einer hohen Felswand das zweitgrößte natürliche Felsentor im Elbsandsteingebirge, nach dem Prebischtor in der Böhmischen Schweiz: rund elf Meter hoch, siebzehn Meter breit, vierundzwanzig Meter tief. Eine schmale Stahltreppe, die Himmelsleiter, führt durch eine Felsspalte oberhalb des Tores zu einer Aussicht auf die Bärenfangwände.

Grässe notiert 1874, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

In der Nähe des Marktfleckens Lichtenhayn, der eine Stunde von Schandau entfernt ist, befindet sich ein hoher Felsen, früher der Haußberg genannt, welcher eine große, von der Natur gebildete Halle enthält, in welche man durch das zehn Ellen hohe und zwölf Ellen breite Tor, das völlig gerundet und gewölbt ist, tritt. Weil dereinst in Kriegszeiten die Bauern der Umgegend ihr Vieh hineingeflüchtet haben sollen, so hat man diese Höhle den Kuhstall genannt.

Grässe reiht daran drei weitere, kleinere Stellen: einen Gesundbrunnen im Wald, den „hellen Fluss”, bei dem einst Wunder geschehen sein sollen; den Taufstein, eine Felsvertiefung, an der in Kriegszeiten die neugeborenen Kinder der Geflüchteten getauft worden seien; und die Pfaffenklunst, eine nur mit Lebensgefahr erreichbare Kluft, in der sich ein katholischer Pfarrer vor seinen hussitisch gewordenen Pfarrkindern versteckt haben soll, ehe sie ihn fanden und in den Abgrund stürzten.

Welcher Krieg genau gemeint ist, sagt Grässes Text nicht — die heute verbreitete Verbindung zum Dreißigjährigen Krieg ist jüngere touristische Erzählung, keine Angabe der Quelle selbst.

Wann wir hier laden: bei Neumond, im Torbogen des Kuhstalls.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Johann Georg Theodor Grässe, 1874. Bd. 1, Nr. 201, S. 179 f., „Die Sage vom Kuhstalle bei Lichtenhayn“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Am Wikisource-Volltext geprüft, seitengenau mit dem Scan verknüpft (Bd. 1, S. 179-180). Grässe nennt als Quellen Hofmann S. 364 sq. und die Curiosa Saxonica von 1743, S. 194 sq. Grässes Text nennt die Kriegszeit nicht namentlich; die heute verbreitete Zuschreibung auf den Dreißigjährigen Krieg und schwedische Truppen ist eine spätere touristische Ausschmückung, die wir nicht in die Überlieferung übernehmen. Ausserdem bei Grässe in derselben Fundstelle: das benachbarte Schneiderloch mit der Sage von einem Schneider, der unter die Räuber ging und dort gefasst wurde — ein eigenständiges Motiv, das wir hier nicht ausbreiten, um die Ortsseite nicht zu überladen.

50.9257, 14.2570 · frei zugänglich · Ladefenster Neumond