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Edelsteine

Saterland · Niedersachsen · Moor

Krötseldobbe

Überlieferung

In der sumpfigen Woröne bei Scharrel im Saterland liegt ein stehendes, für unergründlich gehaltenes Wasser, die Krötseldobbe. Der Teufel soll darin wohnen und einen Schatz bewachen, der alle sieben Jahre nach oben kommt. Tatsächlich stecken darin, so die überlieferte Erklärung, die Dorfglocke und das gesamte Geld der Gemeinde: Nachdem Scharreler Bauern im Dreißigjährigen Krieg plündernden Mansfelder Söldnern ihre geraubte Kirchenglocke mit Gewalt wieder abgenommen hatten, versteckten sie darin aus Angst vor Rache ihr Bargeld und versenkten die Glocke, das Unterste zuoberst, samt einem beschwerenden Stein im Moor — worauf sie so tief in den weichen Grund sank, dass sie nie wieder gehoben werden konnte.

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Unsere Lesart

Was aus Angst versteckt wird, ist schon verloren, bevor es gesucht wird — das Moor nimmt nichts weg, es gibt nur nichts zurück. Wir lesen die Glocke nicht als Schatz, der auf seine Bergung wartet, sondern als Beweis, dass eine Dorfgemeinschaft, die zusammenhält, mehr retten kann als Geld: die Glocke selbst hätten sie den Söldnern kein zweites Mal überlassen.

Dichtung, von uns

Scharrel liegt im Saterland, der einzigen Region Niedersachsens, in der bis heute Saterfriesisch gesprochen wird — einer von Moor und Fehnkanälen geprägten Streusiedlung im Landkreis Cloppenburg. Nahe dem Dorf, am Esch, liegt die Woröne, eine sumpfige Wiesenfläche, und darin, in einem Teil namens Krötsel, ein stehendes Wasser: die Krötseldobbe.

Strackerjan notiert 1909 zunächst den Volksglauben, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

Dies Wasser soll unergründlich sein, und in ihm wohnt der Teufel, der einen Schatz bewacht, der alle sieben Jahre nach oben kommt.

Dann liefert er selbst die nüchterne Erklärung. Als Mansfelds Söldner im Dreißigjährigen Krieg durch die Gegend zogen, nahmen ein paar hundert von ihnen den Scharrelern die Kirchenglocke aus dem Turm. Die Männer des Dorfes waren gerade nicht daheim; als sie zurückkamen und erfuhren, was geschehen war, riefen sie: „Halloh, hinternach!” — holten die Söldner ein und nahmen ihnen die Glocke mit Gewalt wieder ab.

Aus Furcht, eine größere Streitmacht könnte zurückkehren und diesmal auch noch das Geld des Dorfes mitnehmen, beschlossen sie, alles Bargeld zusammenzutragen, in die Glocke zu legen und die Glocke, das Unterste zuoberst, in der Krötseldobbe zu versenken, einen Stein darauf, um sie später in ruhigeren Zeiten wieder herauszuholen. Doch als sie es versuchten:

Die Glocke mit dem Gelde und dem Steine war so tief in den weichen Grund hineingesunken, daß wohl haushoch Wasser darüber stand. Es war unmöglich, die Glocke wieder herauf zu holen, und so soll sie mit Geld und Stein noch heute darin stecken.

Wann wir hier laden: in der Walpurgisnacht, am Rand der Woröne.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. Ludwig Strackerjan, 1909. Bd. 2, Nr. 552h, S. 364, „Bei Scharrel …“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Auf zeno.org im Volltext geprüft, mit Seitenzahl im Text selbst vermerkt ([364]). Strackerjan (2. Auflage 1909, zuerst 1867) stellt der Teufelsschatz-Erzählung ausdrücklich seine eigene, historisch verankerte Erklärung entgegen ("Dies verhält sich aber vielmehr so") — die Mansfelder Truppen sind eine reale Erscheinung des Dreißigjährigen Kriegs in Ostfriesland und dem Oldenburger Land, um 1622/23. „Dobbe" ist das plattdeutsche Wort für ein stehendes Moorgewässer.

53.0717, 7.7074 · frei zugänglich · Ladefenster Walpurgisnacht