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Edelsteine

Rhein · Rheinland-Pfalz · Ort

Königsstuhl von Rhens

Kurfürstenstuhl

Überlieferung

Bei Rhens, zwischen den Burgen der vier rheinischen Kurfürsten, stand der Königsstuhl: eine offene Halle aus Tuffstein mit einem Mittelpfeiler, acht weiteren Pfeilern und darunter acht aufgemauerten Sitzen, sieben für die Wähler des Reiches und der achte für den zu wählenden Kaiser. Hier fand der Abschluss der deutschen Königswahl statt, unter freiem Himmel, vor den Augen des versammelten Volkes.

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Unsere Lesart

Der Stuhl steht unter freiem Himmel, ohne Dach, ohne Mauer zwischen den Sitzenden und denen, die zusehen. Eine Entscheidung, die vor allen gefällt wird, lässt sich schwerer zurücknehmen als eine, die hinter Türen fällt.

Dichtung, von uns

Zwischen Rhens und Stolzenfels, am linken Rheinufer südlich der Lahnmündung, lag der Königsstuhl inmitten von vier Burgen: Lahneck, dem Kurfürsten von Mainz gehörig, Stolzenfels, Sitz des Kurfürsten von Trier, der bischöflich kölnischen Burg zu Rhens und, auf der anderen Rheinseite, der pfalzgräflichen Marksburg. Vier geistliche und weltliche Mächte, in Sichtweite voneinander, und dazwischen ein offener Platz, an dem keine von ihnen allein bestimmte.

Pröhle beschreibt den Bau 1886, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

Der Königstuhl war aus rheinischem Tuffstein erbaut. Ein Pfeiler aus Tuffstein stand in der Mitte. Acht andere solche Pfeiler bildeten mit ihm eine Halle und trugen ein Gewölbe. […] Innerhalb der Brustwehr und doch unter freiem Himmel waren acht Sitze einfach aufgemauert. Sieben waren für die Wähler des Reiches bestimmt und der achte Sitz für den Kaiser.

Kein Thronsaal, keine Tür, kein Vorhang. Über jedem Kurfürstensitz sein Wappen, über dem Sitz des Kaisers das Wappen des Reiches, und ringsum, in weitem Kreis, das Volk.

Historisch belegt ist der Kurverein zu Rhense von 1338, bei dem sechs der sieben Kurfürsten sich gegen den päpstlichen Bestätigungsanspruch bei Königswahlen verbündeten, ein Beschluss, der wenig später in Frankfurt zum Reichsgesetz erhoben wurde. Spätere Kaiser, darunter Karl IV. und Ruprecht von der Pfalz, bestiegen den Stuhl tatsächlich, auch wenn die eigentliche Wahl oft schon anderswo gefallen war und Rhense nur noch die Bestätigung und den Treueeid sah.

Was heute auf dem Hügel steht, ist ein Nachbau von 1841 bis 1843 nach Plänen von Johann Claudius von Lassaulx, an leicht versetzter Stelle. Pröhle schreibt die Zerstörung des ursprünglichen Baus den Franzosen im Jahr 1688 zu; wann und wie oft der Stuhl in den folgenden Kriegen tatsächlich zerstört und wieder aufgebaut wurde, ist an dieser Stelle nicht abschließend geklärt.

Wann wir hier laden: bei zunehmendem Mond, auf dem Hügel, unter freiem Himmel.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Heinrich Pröhle, 1886. S. 119–121, „Der Königsstuhl bei Rhense“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Kein Sagenort im engeren Sinn, sondern verbürgte Reichsgeschichte: Beim Kurverein zu Rhense 1338 tagten die Kurfürsten nachweislich am Königsstuhl. Pröhle datiert die Zerstörung des Bauwerks auf 1688 durch französische Truppen. Das ist an dieser Stelle nicht weiter geprüft; das heute besichtigte Bauwerk ist in jedem Fall ein Nachbau von 1841 bis 1843. Ob es sich bei Pröhles Datum um dieselbe oder eine frühere Zerstörung handelt, lassen wir offen.

50.2823, 7.6137 · frei zugänglich · Ladefenster zunehmender Mond