Zum Inhalt springen
Edelsteine

Eifel · Rheinland-Pfalz · Ort

Genovevaburg Mayen

Genovefa-Turm

Überlieferung

Genovefa, Gemahlin des Pfalzgrafen Siegfried, wird von dessen Verwalter Golo fälschlich der Untreue bezichtigt und in den Wald verstoßen. Dort lebt sie sechs Jahre und drei Monate im größten Elend, nur von Kräutern, Wurzeln und der Milch einer Hirschkuh genährt. Am Vorabend des Dreikönigsfestes flüchtet die Hirschkuh bei einer Jagd zu ihr, die Jäger finden Genovefa, und Siegfried erkennt seine Frau wieder. Ein Turm des Mayener Schlosses heißt bis heute Genovefa-Turm.

unschuldig verstoßen · ausharren im wald · hirschkuh · wiederfinden

Unsere Lesart

Sechs Jahre und drei Monate. Die Sage nennt die Dauer so genau, weil es beim Ausharren auf die Dauer ankommt. Genovefa tut in dieser Zeit nichts Heldenhaftes. Sie bleibt am Leben und bleibt dieselbe, bis die Sache sich von selbst klärt.

Dichtung, von uns

Die Genovevaburg steht über der Altstadt von Mayen, ihr Bergfried heißt der Genovefa-Turm. Schmitz vermerkt das 1858 in einer knappen Fußnote: „Ein Thurm des Mayener Schlosses heißt noch der Genovefa-Thurm.“

Die Legende selbst ist eine der bekanntesten des Rheinlands. Pfalzgraf Siegfried zieht in den Krieg und lässt seine schwangere Frau Genovefa in der Obhut seines Verwalters Golo zurück. Golo stellt ihr nach, wird abgewiesen und rächt sich mit einer Verleumdung. Siegfried, aus der Ferne getäuscht, befiehlt ihren Tod. Die Knechte bringen es nicht über sich und setzen sie im Wald aus.

Schmitz erzählt weiter, in behutsam an heutige Schreibung angeglichener Fassung:

… wo sie sechs Jahre und drei Monate hindurch, im größten Elende, nur von Kräutern, Wurzeln und der Milch einer Hirschkuh genährt, ihr und ihres Kindes Leben fristete.

Und dann, Jahre später, bei einer großen Jagd am Tag vor dem Fest der Heiligen Drei Könige:

Die treue Hirschkuh der Genovefa kam alsbald in die Jagd. Als man sie verfolgte, setzte sie auf Genovefa zu, um bei ihr Schutz zu finden. Die Jäger eilten herbei, um sie zu erlegen, und siehe da, sie erblickten eine entsetzlich verwilderte Gestalt neben der Hirschkuh mit einem muntern Knaben.

Die Rettung kommt nicht, weil Genovefa etwas unternimmt. Sie kommt, weil ein Tier Schutz sucht und dabei ein Versteck aufdeckt. So gehen diese Geschichten meistens aus.

Wann wir hier laden: bei Vollmond, am Fuß des Genovefa-Turms.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Sagen und Legenden des Eifler Volkes. Johann Hubert Schmitz, 1858. Bd. 2, S. 118 f., mit Fußnote zum Genovefa-Turm. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Die Legende ist überregional und ihre älteste schriftliche Fassung stammt wohl aus dem Kloster Laach im frühen 14. Jahrhundert; der Laacher Mönch Johannes von Andernach veröffentlichte 1500 eine Fassung. Die volkstümlich „Genovevahöhle“ genannte Höhle liegt bei Kordel im Kreis Trier-Saarburg und ist eine spätere Zuschreibung und nicht Teil der Schmitz-Überlieferung. Wir verorten den Ort deshalb in Mayen, wo der Turm den Namen trägt.

50.3269, 7.2211 · frei zugänglich · Ladefenster Vollmond