Erzgebirge · Sachsen · Ort
Freiberger Bergwerk
Überlieferung
Fuhrleute, die Salz von Halle nach Böhmen bringen, finden an der Grenze des böhmischen und meißnischen Gebirges, dort wo heute Freiberg liegt, ein vom Regen bloßgelegtes Stück gediegenes Bleierz im Wagengeleise. Sie nehmen es mit nach Goslar; dort erweist es sich als reicher an Silber als das heimische Erz. Bergleute machen sich nach Anleitung der Fuhrleute auf den Weg dorthin, und so entsteht nach und nach die Bergstadt Freiberg.
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Unsere Lesart
Niemand suchte, als das Erz gefunden wurde. Es lag im Wagengeleise, vom Regen freigespült, und wurde erst später als das erkannt, was es war. Eine ganze Stadt ist aus einem Fund entstanden, den keiner beabsichtigt hatte.
Dichtung, von uns
Zwischen Dresden und Chemnitz, am Nordrand des Erzgebirges, liegt Freiberg, Sitz der 1765 gegründeten Bergakademie, der ältesten heute noch bestehenden montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt. Der historische Stadtkern, die Silberstadt, steht unter Denkmalschutz.
Urkundlich beginnt die Geschichte 1168: Bei dem nahen Waldhufendorf Christiansdorf wird Silbererz entdeckt. Markgraf Otto von Meißen führt die Bergbaufreiheit ein, das Schürfrecht gegen Abgabe für jeden Zuwanderer, und macht damit aus einer Handvoll Rodungsdörfer eine Bergstadt.
Grässe überliefert daneben 1874 eine ältere, volkstümliche Erklärung, die nichts von Markgrafen und Schürfrechten weiß, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:
Einst haben Fuhrleute Salz aus Halle an der Saale geholt, um es in Böhmen einzuführen; als sie nun an die Grenze des böhmischen und meißnischen Gebirges kamen, haben sie in der Gegend, wo jetzt die Stadt Freiberg liegt, in einem Wagengeleise ein Geschiebe von gediegenem Bleierz angetroffen, welches vom Wasser bloßgelegt worden war. Weil es nun dem Goslarischen Erz nicht ganz ähnlich sah, haben sie dasselbe auf den Wagen geworfen und hernach mit sich nach Goslar genommen. Da nun die Bergleute dieser Stadt gedachtes Geschiebe probierten, so fanden sie, dass es an Silber weit reicher als der Goslarische Glanz- und Bleischweif war; es haben sich also eine Anzahl derselben aufgemacht und nach Anleitung der Fuhrleute dorthin begeben. Dadurch ist die heutige Bergstadt Freiberg nach und nach entstanden, jene Bergleute aber sind, weil ihnen ihr Suchen wohl gelungen, sämtlich reich geworden.
Zwei Fassungen, ein Fund. Die eine ist Verwaltungsgeschichte, die andere ein Zufall auf einer Salzstraße. Beide enden mit derselben Stadt.
Wann wir hier laden: bei zunehmendem Mond, am Rand der Altstadt, über dem alten Bergbaugebiet.
Steine von hier
Belege
Belegt in gedruckter Quelle
- Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Johann Georg Theodor Grässe, 1874. Bd. 1, Nr. 269, S. 248 f., „Auffindung des Freiberger Bergwerkes“. Digitalisat.gemeinfrei
Was noch offen ist
Grässe nennt als Gewährsleute Georgius Agricola, den Begründer der wissenschaftlichen Mineralogie, und Mollers Freibergische Annales von 1653. Die urkundlich belegte Geschichte datiert den Silberfund bei dem nahen Waldhufendorf Christiansdorf auf 1168 und schreibt ihn keinem Fuhrmann, sondern dem von Markgraf Otto von Meißen eingeführten freien Schürfrecht zu. Die Fuhrleute-Erzählung ist die volkstümliche, jüngere Fassung; wir geben beide getrennt wieder.
50.9171, 13.3427 · frei zugänglich · Ladefenster zunehmender Mond