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Edelsteine

Rhein · Rheinland-Pfalz · Ort

Feindliche Brüder

Sterrenberg und Liebenstein

Überlieferung

Zwei Brüder auf Burg Sternberg lieben dieselbe Verwandte, die den Vater pflegt. Als beide sich zum Kreuzzug entschließen, bleibt der ältere, von ihr nicht erwählte Bruder als Hüter des Vaters zurück; für ihn baut der Vater die Burg Liebenstein. Der jüngere kehrt Jahre später mit einer Griechin verheiratet zurück, die ihn bald verlässt. Zwischen den Brüdern kommt es zum Zweikampf, den die einstige Braut selbst trennt. Sie geht ins Kloster Marienberg, der ältere Bruder ins Kloster Bornhofen.

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Unsere Lesart

Keiner der Brüder bekommt am Ende, was er wollte. Der eine verzichtet und bleibt, der andere geht und kommt mit der falschen Frau zurück. Zwei Burgen stehen seither einander gegenüber, nah genug, um sich zu sehen, und das ist die ganze Strafe.

Dichtung, von uns

Zweihundert Meter trennen die beiden Burgruinen bei Kamp-Bornhofen im Mittelrheintal, hoch über dem Fluss, einander zugewandt. Sterrenberg gilt, seit die alte Burg Ehrenbreitstein unter der preußischen Festung verschwand, als älteste erhaltene Burganlage im Mittelrheintal.

Heine dichtete 1824 ein vielgesungenes Gedicht über einen nächtlichen Zweikampf zwischen den Brüdern, der sich jede Mitternacht wiederholen soll. Pröhle druckt es 1886 ab und schreibt dann selbst, in behutsam an heutige Schreibung angeglichener Fassung, was er von der eigentlichen Sage hält:

Es ist allgemein bekannt, daß dieses schöne, viel gesungene Gedicht sich bezieht auf die Burgen Sternberg und Liebenstein. Der rheinische Dichter spricht aber nur von einer, nicht von zwei Burgen. Die Sage ist an und für sich etwas ausführlicher, als Heine sie hier erzählt, und wenn auch in der Erzählung, wie wir sie hier folgen lassen, vielleicht nicht alles echt volkstümlich ist, so ist es doch gewiss, dass der Name „die feindlichen Brüder“ den einander gegenüberliegenden beiden Rheinburgen selbst gegeben und dass daraus die Sage vielleicht erst entstanden ist.

Das ist eine ungewöhnlich offene Bemerkung für ein Buch, das Jugendliche unterhalten soll: Der Name kam vielleicht zuerst, die Geschichte erst danach.

Was Pröhle dann erzählt: Ein Ritter auf Sternberg hat zwei Söhne, die beide eine Verwandte lieben, die ihn nach dem Tod seiner Frau pflegt. Sie neigt sich dem jüngeren zu. Der ältere sieht keine Hoffnung, nimmt das Kreuz und will fort; da fasst auch der jüngere denselben Entschluss. Der Vater bittet, einer möge bleiben, doch der jüngere, dem es um seiner Braut willen am nächsten läge, besteht darauf mitzuziehen. So bleibt der ältere zurück als Hüter des Vaters und der Braut, die ihrem Verlobten die Treue hält. Damit er das glückliche Paar nach dessen Rückkehr nicht täglich vor Augen hat, baut der Vater ihm die Burg Liebenstein.

Der jüngere kommt Jahre später zurück, verheiratet mit einer Griechin. Die zurückgelassene Braut ist tief gekränkt, ohne dass ihr Herz sich nun dem älteren zuwendet. Es kommt zum Zweikampf zwischen den Brüdern, den sie selbst trennt. Danach wird sie Nonne im Kloster Marienberg, der ältere Bruder Mönch im Kloster Bornhofen. Der jüngere bleibt auf Liebenstein zurück, bis auch ihn seine Griechin verlässt.

Wann wir hier laden: bei Neumond, zwischen den beiden Ruinen, im Tal.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Heinrich Pröhle, 1886. S. 116–118, „Die feindlichen Brüder (Sternberg und Liebenstein)“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Pröhle stellt der Erzählung Heines Gedicht voran und schreibt dazu selbst, „wenn auch in der Erzählung, wie wir sie hier folgen lassen, vielleicht nicht Alles echt volkstümlich ist, so ist es doch gewiß, daß der Name die feindlichen Brüder den einander gegenüberliegenden beiden Rheinburgen selbst gegeben, und daß daraus die Sage vielleicht erst entstanden ist“. Die heutigen Namen der Burgen lauten Sterrenberg und Liebenstein; Pröhle schreibt „Sternberg“ und an einer Stelle seines Textes auch „Liebeneck“. Wir übernehmen die Schreibweise nicht, sondern nennen die Burgen bei ihrem heutigen Namen und führen Pröhles Titel als Beiname.

50.2129, 7.6343 · frei zugänglich · Ladefenster Neumond