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Edelsteine

Rhein · Nordrhein-Westfalen · Berg

Drachenfels

Überlieferung

In einer Höhle an der Südseite des Felsens, dem Drachenloch, hauste in alter Zeit ein Drache, dem die Bewohner der Gegend Verehrung und Menschenopfer darbrachten. Von einem Raubzug brachten sie eine gefangene Christin mit, um die zwei junge Anführer in Streit gerieten; um den Streit zu beenden, wurde sie dem Drachen bestimmt. Als er auf sie zusprang, zog sie ein kleines goldenes Kruzifix hervor, worauf er sich zischend in den Waldgrund stürzte. Das Volk ließ sich daraufhin taufen, und wo der Opferstein gestanden hatte, erhob sich eine Kapelle.

drachenloch · menschenopfer · gefangene christin · nebenbuhler · kleines kreuz

Unsere Lesart

Zwei Männer streiten so lange darum, wer sie bekommt, bis sie beschließen, dass keiner sie bekommt. Was den Drachen vertreibt, ist dann nichts Kämpferisches: eine Handbreit Gold und jemand, der nicht wegsieht.

Dichtung, von uns

321 Meter über dem Meer, rund 270 über dem Rhein, der vorderste Berg des Siebengebirges zwischen Königswinter und Bad Honnef. Oben die Ruine der Burg, die Erzbischof Arnold von Köln nach 1138 begonnen und die um 1167 fertig war.

Der Berg besteht aus Quarztrachyt, und daran hängt seine zweite Geschichte. Steinbrüche gab es hier schon in römischer Zeit; das Gestein ließ sich gut bearbeiten und noch besser verschiffen, und so wurde es rheinabwärts zu einem der wichtigsten Bausteine des Mittelalters. Ein großer Abnehmer war der Kölner Dom. Als dessen Bau in den 1530er Jahren stockte, ging auch der Abbau zurück. Beendet wurde er erst 1836, als die preußische Regierung einen Teil des Berges kaufte. Damit war der Drachenfels davor bewahrt, für den Weiterbau desselben Doms abgetragen zu werden, für den er schon einmal geliefert hatte. Die rechtliche Grundlage für ein Naturschutzgebiet kam 1922 nach.

Die Sage kennt den Berg schon früher. Pröhle verweist auf eine Urkunde von 1206, in der er als Drachenhöhle oder Drachenloch erscheint, und auf Graf Heinrich, der sich 1303 Burggraf von Drachenfels nannte und einen silbern geflügelten, goldene Flammen speienden Drachen im Wappen führte.

An der Südseite wird bis heute eine Höhle als das Drachenloch gezeigt. Dort soll der Drache gehaust haben, dem die Umwohnenden opferten. Pröhle erzählt 1886, wie die Sache ausging. Die gefangene Christin, um die zwei Anführer gestritten hatten, steht am Opferstein:

Sie trug ein kleines goldenes Kruzifix im Busen, und da sie in unerschütterlichem Glauben an ihren Erlöser beharrte, so zog sie es in ihrem Sterbestündlein hervor, gerade als der gierige Drache auf sie lossprang.

Sowie der Drache das Kruzifix erblickte, stürzte er sich mit furchtbarem Zischen in den nächsten Waldesgrund.

Was danach kommt, ist bemerkenswert. Die beiden Männer, die den ganzen Streit angefangen haben, sind bei der Szene nicht dabei. Sie kommen später und lassen sich taufen, nach dem Volk und vor den Druiden. Die Frau, um die sie gekämpft haben, geht nach Hause zu ihren Eltern und schickt einen Priester.

Ein Wort zur Sorgfalt: Dass Siegfried hier seinen Drachen erschlagen und in dessen Blut gebadet habe, wird oft erzählt und steht auf keiner belastbaren Grundlage. Pröhle hält 1886 fest, beim Nibelungenlied könne an den Drachenfels „nicht gut“ gedacht werden. Er trägt das Volksbuch vom gehörnten Siegfried nach, ausdrücklich nur „für diejenigen, welche gewohnt sind, bei dem Drachenfelsen auch an Siegfried zu denken“. Dort verschleppt ein Drache die Königstochter Florigunde aus Worms auf den Drachenstein. Auch das ist keine Ortssage, sondern eine Zuordnung.

Wann wir hier laden: bei zunehmendem Mond, am Fuß der Burgruine, oberhalb des alten Bruchs.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Heinrich Pröhle, 1886. S. 188–191, „Der Drachenfels und die Einführung des Christentums“. Digitalisat.gemeinfrei
  • Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Heinrich Pröhle, 1886. S. 192, „Siegfried auf dem Drachenfelsen“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Verbreitet ist, Siegfried habe hier seinen Drachen erschlagen. Pröhle widerspricht dem ausdrücklich: Beim Nibelungenlied könne „nicht gut an den Drachenfelsen gedacht werden“, das sei „nicht recht passend“. Nur das Volksbuch vom gehörnten Siegfried lasse sich hierher verlegen, und das ist eine andere Geschichte, in der ein Drache eine Königstochter aus Worms verschleppt. Wir erzählen den Nibelungen-Siegfried deshalb nicht mit.

50.6653, 7.2097 · frei zugänglich · Ladefenster zunehmender Mond