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Edelsteine

Harz · Sachsen-Anhalt · Berg

Brocken

Blocksberg

Überlieferung

In der Nacht zum 1. Mai fahren die Hexen zum Brocken. Pröhle überliefert dazu eine nüchterne Erklärung: Die mit Gewalt bekehrten Sachsen hätten am Brocken noch lange heidnisch geopfert; als man ihnen auflauerte, hätten sie sich in Teufelsmasken verkleidet, um die Wächter zu schrecken und ungestört zu opfern. So sei der Glaube an die Hexenfahrt entstanden.

Walpurgisnacht · hexenfahrt · teufelsmaske · heidnisches opfer

Unsere Lesart

Wenn die Erklärung stimmt, ist der Brocken kein Ort der Verwandlung, sondern einer der Verkleidung. Menschen setzten eine Maske auf, damit man sie in Ruhe ließ, und die Maske wurde geglaubt, jahrhundertelang, bis sie mehr Wirkung hatte als das, was sie verbarg.

Dichtung, von uns

1141 Meter, der höchste Berg Norddeutschlands und einer der wenigen, deren Name im Sprachgebrauch für etwas anderes steht: Blocksberg heißt der Ort, an dem sich trifft, was sonst nicht zusammenkommt.

Pröhle sammelte 1859 die Brockensagen und stellte ihnen eine Erklärung zur Seite, die er selbst schon vorfand; hier in behutsam an heutige Schreibung angeglichener Fassung:

Es wird erzählt und steht auch gedruckt, dass am Brocken am 1. Mai von den mit Gewalt zum Christenthum bekehrten Sachsen noch lange Abgötterei getrieben sei; als man diesen aufgelauert habe, hätten sie sich in Teufelsmasken verkleidet, um die Wächter zu schrecken und ungestört zu opfern. So sei der Glaube an die Hexenfahrt nach dem Brocken entstanden.

Pröhle merkt an, diese Deutung sei Goethe so anziehend erschienen, dass er ihr in Die erste Walpurgisnacht eine dichterische Behandlung zuteilwerden ließ.

Wie es unten in den Bergstädten aussah, steht im anderen Band, unter Nr. 25. In Klausthal kam die Frau Steigerin als fette schwarze Katze aus dem Haus gesprungen und eilte dem Brocken zu. Ein Fleischermeister namens Eschenbach geriet auf dem Heimweg am Kreuzweg unter die Hexen, erkannte einige davon und musste sich verschwören, niemanden zu nennen. Er hielt sich daran. Erst auf dem Sterbebett erzählte er es dem eisernen Ofen. Dadurch hat man es erfahren.

An dieser Nebenbemerkung hängt mehr als an der ganzen Hexenfahrt. Eschenbach hat sein Wort gehalten und ist die Sache trotzdem losgeworden.

Wann wir hier laden: in der Nacht zum 1. Mai. Einmal im Jahr, sonst nie.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Harzsagen, Zweiter Band. Sagen des Unter-Harzes. Heinrich Pröhle, 1859. S. 229, Anmerkungen zu den Brockensagen (S. 117–136). Digitalisat.gemeinfrei
  • Harzsagen, Erster Band. Sagen des Ober-Harzes. Heinrich Pröhle, 1859. Nr. 25, S. 101 f., „Die Hexen vom Klausthal“. Digitalisat.gemeinfrei

Was noch offen ist

Die Brockensagen stehen im zweiten Band, nicht im ersten; die Erklärung mit den Teufelsmasken steht dort in den Anmerkungen auf S. 229. Pröhle verweist dabei auf Grimms Mythologie S. 1007 f. und darauf, dass Goethe diese Deutung in „Die erste Walpurgisnacht“ dichterisch verarbeitet hat. Die beiden Klausthaler Geschichten stammen dagegen aus dem ersten Band, Nr. 25.

51.7991, 10.6156 · frei zugänglich · Ladefenster Walpurgisnacht