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Edelsteine

Harz · Sachsen-Anhalt · Höhle

Baumannshöhle

Rübeland

Überlieferung

Menschen wurden durch wunderseltsame Träume gleichsam bezaubert, als seien Schätze in der Höhle verborgen, und krochen hinein, um sie zu heben. Sie kamen unverrichteter Dinge zurück und erzählten, sie hätten zwar große eiserne Schatzkästen darin angetroffen, aber nicht dazugelangen können, weil sehr große schwarze Hunde darauf lagen und sie bewachten.

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Unsere Lesart

Der Schatz ist da. Man sieht ihn sogar. Man kommt nur nicht heran, weil etwas darauf liegt, das größer ist als man selbst. Wer je gewusst hat, was er will, und nicht hingelangte, kennt diese Höhle von innen.

Dichtung, von uns

Eine Tropfsteinhöhle im Bodetal bei Rübeland, seit 1646 gegen Eintritt zu besichtigen und damit eine der ältesten Schauhöhlen der Welt. Wer heute hineingeht, geht auf Treppen und bei elektrischem Licht. Wer vor vierhundert Jahren hineinging, kroch.

Pröhle gibt 1859 unter Nr. 46 wörtlich wieder, was Georg Henning Behrens in seiner Hercynia curiosa aus Eckstorms Epistel anführt, hier behutsam an heutige Schreibung angeglichen:

Öfters sind Leute durch wunderseltsame Träume gleichsam bezaubert worden, als wenn Schätze in dieser Höhle verborgen wären, derowegen sie hinein gekrochen, um selbige zu suchen und zu heben; nachdem nun dieselben unverrichteter Sache wieder heraus kommen, sey von ihnen erzählet worden, wie sie zwar grosse eiserne Schatz-Kästen darinnen angetroffen, hätten aber nicht darzu gelangen können, weilen darauf sehr grosse schwarze Hunde gelegen gewesen, welche dieselben verwahret gehabt.

Die Geschichte hat eine Ehrlichkeit, die selten ist. Die Leute kamen mit leeren Händen zurück und erzählten trotzdem, sie hätten den Schatz gesehen, nur eben nicht bekommen. Das ist genau die Auskunft, die man gibt, wenn man an etwas geglaubt hat und nicht zugeben will, dass da nichts war.

Zum Namen: Verbreitet ist, die Höhle sei nach einem Bergmann Baumann benannt, der sich 1670 als erster hindurchgezwängt und beim Herauskommen kaum noch gelebt habe. Pröhle nennt das einen groben literarischen Irrtum von lächerlichem Ursprung: Heinrich Eckstorm schrieb bereits 1591 eine epistola de specu Bumanni, und danach war die Höhle damals schon seit Menschengedenken berühmt. Wir erzählen die schönere Version deshalb nicht mit.

Wann wir hier laden: in den Rauhnächten, zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar. Draußen ist es dann so dunkel wie drinnen.

Steine von hier

Belege

Belegt in gedruckter Quelle

  • Harzsagen, Zweiter Band. Sagen des Unter-Harzes. Heinrich Pröhle, 1859. Nr. 46, S. 15 f., aus den Sagen vom Rübeland und der Baumannshöhle. Digitalisat.gemeinfrei
  • Hercynia curiosa. Georg Henning Behrens, 1703. von Pröhle wörtlich wiedergegeben, Bd. 2, S. 15 f..gemeinfrei
  • Epistola de specu Bumanni, vulgo Bumannsholl. Heinrich Eckstorm, 1591. von Pröhle gegen die Namensherleitung angeführt, Bd. 2, S. 215.gemeinfrei

Was noch offen ist

Pröhle nennt es in den Anmerkungen (Bd. 2, S. 215) einen „groben literarischen Irrthum von lächerlichem Ursprunge“, dass die Höhle nach einem Bergmann Baumann benannt sei, der sie 1670 zuerst durchkrochen habe. Eckstorm schrieb bereits 1591 über sie; sie war da seit Menschengedenken berühmt. Wir geben die verbreitete Herleitung deshalb nicht wieder. Die Sage steht bei Pröhle nicht aus erster Hand: Er gibt Behrens wieder, und Behrens beruft sich seinerseits auf Eckstorms Epistel. Drei Schichten also, und keine davon ist unsere.

51.7461, 10.8531 · eingeschränkt zugänglich · Ladefenster Rauhnächte